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Notizen · Gedanken aus der Praxis

Notizen.

Dieser Raum ist für die Dinge zwischen den Zeilen. Für Gedanken, die sich nicht in ein Therapiekonzept pressen lassen. Für Beobachtungen aus der Praxis. Für Fragen, auf die ich noch keine Antworten habe.

Keine fertigen Artikel. Eher Notizen — fragmentarisch, unvollständig, lebendig.

Mai 2026

Salutogenese: Was uns stark macht

Hast du dich schon mal gefragt, warum manche Menschen trotz großer Belastungen gesund und zuversichtlich bleiben? Ich auch. Und die Antwort führte mich zur Salutogenese – einem Konzept, das nicht die Krankheit, sondern die Gesundheit in den Mittelpunkt stellt.


Was ist Salutogenese?

Der Begriff stammt vom israelisch-amerikanischen Soziologen Aaron Antonovsky (1923–1994). Während die klassische Medizin oft fragt: "Warum werden Menschen krank?", dreht Antonovsky die Perspektive um: "Warum bleiben manche Menschen gesund – trotz Stress, Krisen oder schwieriger Lebensumstände?"

"Gesundheit ist nicht das Fehlen von Krankheit, sondern die Fähigkeit, mit dem Leben umzugehen."
— Aaron Antonovsky

Salutogenese (von lat. salus = Gesundheit, griech. genesis = Entstehung) ist also die Wissenschaft von der Entstehung von Gesundheit. Sie betont, dass Gesundheit ein dynamischer Prozess ist – kein statischer Zustand.


Das Kohärenzgefühl: Der Schlüssel zur Widerstandskraft

Antonovsky identifizierte das Kohärenzgefühl (Sense of Coherence, SOC) als zentralen Faktor für Gesundheit. Es setzt sich aus drei Säulen zusammen:

1. Verstehbarkeit

Die Welt als geordnet und vorhersehbar erleben.
Beispiel: Wenn ich verstehe, warum ich gestresst bin, kann ich gezielt gegensteuern.

2. Handhabbarkeit

Das Gefühl, mit Herausforderungen umgehen zu können.
Beispiel: Ich vertraue darauf, dass ich Lösungen für Probleme finde – auch wenn sie nicht sofort sichtbar sind.

3. Sinnhaftigkeit

Das Leben als sinnvoll empfinden.
Beispiel: Selbst kleine Aufgaben im Alltag geben mir das Gefühl, etwas zu bewirken.

Frage an dich: Welche der drei Säulen ist bei dir besonders stark ausgeprägt?


Salutogenese im Alltag: Wie stärken wir unser Kohärenzgefühl?

  1. Achtsamkeit: Bewusst wahrnehmen, was gut läuft – statt nur die Probleme zu sehen.
  2. Soziale Bindungen: Beziehungen, in denen wir uns verstanden und unterstützt fühlen.
  3. Selbstwirksamkeit: Erleben, dass unser Handeln Wirkung hat (z. B. durch kleine Ziele oder Reflexion).

In meiner Arbeit mit der "Weg ins Leben Prozessarbeit" erlebe ich immer wieder, wie Menschen durch solche Schritte mehr innere Stärke entwickeln. Oft reicht schon ein Perspektivwechsel: Nicht "Das schaff ich nie", sondern "Was könnte der erste Schritt sein?"


Warum das für mich wichtig ist

Salutogenese hat meine Sicht auf Gesundheit verändert. Sie erinnert mich daran, dass wir alle Ressourcen in uns tragen – auch in schwierigen Zeiten. Und dass Gesundheit nicht nur Abwesenheit von Krankheit ist, sondern die Fähigkeit, das Leben aktiv zu gestalten.

Ich lade dich ein, selbst zu beobachten: Was gibt dir das Gefühl, mit den Herausforderungen des Lebens gut umgehen zu können? Vielleicht ist es ein Hobby, eine Person oder eine bestimmte Haltung. Schreib mir gerne eine E-Mail – ich freue mich über Austausch!


author: Bernd Bosbach
date: 15.05.2026

Weiterführend:

Das Gefühl nach den Tränen

Tränen fließen und klären den Blick
Die Tränen die nicht nur bitter sind

Wenn der Fluss stoppt, bleibt ein Gefühl von
Erleichterung
Glückseligkeit
Leichtigkeit
Freiheit

Zulassen
Die Tränen
Das Gefühl

Zwei Muscheln, die sich berühren
Wie zwei Flügel

Manchmal möchte man fliegen

Symbol für das Gefühl
Nach den Tränen

Der Zerstörer ist für die Verwandlung unabdingbar

Für mich wurde der Zerstörer greifbar, in den Auswirkungen, die Corona, in der Anfangsphase, auf mich meine Praxis hatte. Es gab einen Moment, in dem ich das Gefühl hatte, dass mir alle Felle davon schwimmen und mir der Boden unter den Füßen weggerissen wird. In diesem Moment wurde der Zerstörer groß und mächtig. Es verlangte von mir, den Schmerz und die Ungewissheit anzunehmen und auszuhalten, um aus der Erschütterung zu kommen und die Möglichkeiten wahrzunehmen. Die bewusste Entscheidung den Zerstörer nicht zu leugnen sondern ihn an die Hand zu nehmen und zu meinem Verbündeten zu machen, wendete das Blatt.

Der Zerstörer ist am Werk, wenn wir unser normales Leben leben, dasselbe tun wie immer, aber plötzlich keinen Sinn mehr darin sehen. Alles ist plötzlich innerlich leer. - Carol S. Pearson (S. 236)

Begegnung

Als ich im Schatten mir begegnete, Da erschrak ich. Als ich im Schatten mir begegnete, War da Erschütterung. Als ich im Schatten mir begegnete, War da Ablehnung. Als ich im Schatten mir begegnete, Ergriff die Dunkelheit mein Herz.

Verletzt war ich Ängstlich war ich Wütend war ich Trotzig war ich

Im Schatten verlor ich meinen Klarblick Im Schatten verlor ich meinen Grund Im Schatten verlor ich meinen Halt Im Schatten verlor ich meinen Glauben

Als der Schatten undurchdringlich zu werden drohte, Da regte sich etwas. Ein kleines Pflänzlein keimte auf. Hoffnung keimte auf, Zuversicht keimte auf. Eine Entscheidung keimte auf.

Ich werde Hoffnung und Zuversicht hegen. Ich werde Hoffnung und Zuversicht nähren.

Im Schatten finde ich meinen Klarblick Im Schatten finde ich meinen Grund Im Schatten finde ich meinen Halt Im Schatten finde ich meinen Glauben

Die Erfahrungen von Schmerz, Leid, Tragödie oder Verlust, erschüttern uns und zerstören unsere Zuversicht. Wir erleben eine tiefgreifende Verwirrung und müssen uns mit der Bedeutung von Tod, Verlust und Schmerz beschäftigen. Wenn wir es schaffen, die Sterblichkeit, den Verlust und unsere relative Ohnmacht zu akzeptieren, wird der Zerstörer zu unserem Verbündeten. Es erwächst die Fähigkeit, bewusst alles loszulassen, was die Werte, das Leben und das Wachstum von uns oder anderen nicht mehr fördert. Auf unserem Weg erleben wir unsere Macht, zu zerstören und zu erschaffen. Allzuoft jedoch nehmen wir unsere Macht nicht in Anspruch, da wir die Verantwortung fürchten, Menschen zu verletzen oder den Status quo zu gefährden. Das Geschenk, dass der Zerstörer für uns bereithält, wenn wir uns der Aufgabe gestellt haben, das Sein-Lassen zu lernen und die Sterblichkeit zu akzeptieren, sind Demut und Akzeptanz.

Der Zerstörer wird zum Verbündeten, wenn wir etwas ändern oder aufgeben können, ohne den damit zusammenhängenden Schmerz zu leugnen. - Carol S. Pearson

Im Angesicht der Zerstörung die wir heute im Außen erleben sind wir alle Aufgerufen, loszulassen, was das Leben nicht fördert. Wir sind aufgerufen dem Chaos etwas entgegen zu setzen. Wir sind aufgerufen, der Keim der Verwandlung zu sein, die wir für das Leben erhoffen. Ganz im Sinne von Mahatma Ghandis Worten „Sei die Veränderung, die du in der Welt sehen willst.“

In seiner positiven Form hilft der Zerstörer us, unsere Rumpelkammern auszuräumen - im emotionalen Bereich Beziehungen abzubrechen, die nicht mehr funktionieren, oder in psychischer Hinsicht Denk- und Verhaltensmuster abzulegen, die nicht mehr zu uns passen. - Carol S. Pearson (S 244)

Dezember 2025

Entgendern nach Phettberg

Die y‑Form von Hermes Phettberg (erste Nutzung 1992 im Falter) macht deutsche Personenbezeichnungen neutral, indem man den Wortstamm mit ‑y (Singular) bzw. ‑ys (Plural) versieht:

  • Leserin → Lesy / Lesys
  • Lehrerin → Lehry / Lehrys
  • Wirtin → Wirty / Wirtys

Dabei wird stets der neutrale Artikel „das" verwendet („das Lesy", „das Lehry"). Das Possessivpronomen bleibt maskulin („sein"), ähnlich wie in „Das Mädchen hat seinen Hamster gefüttert."

Vorteile

  • Einfach: Nur eine Endung anhängen.
  • Auffällig: Signalisiert bewusstes Gender‑Bewusstsein.
  • Flexibel: Funktioniert bei allen Berufs‑ und Rollenbezeichnungen, sogar bei ‑ling‑Wörtern (z. B. Lehrly, Widerly).

Kurzbeispiele

  • Liebe Kollegys — alle angesprochen, ohne Geschlecht zu markieren.
  • Meine Kommilitonys haben… — ideal, wenn das Geschlecht irrelevant ist.

Weihnachtswunsch

Mein sehnlichster Weihnachtswunsch: Kain und Abel würden einen Nichtangriffspakt schließen und alle Menschen wären Brüder.

— Marianne Sägebrecht

Anleitung zum Leben — nach Rollin Becker

Zehn Neue Positive Gebote

  1. Ich werde einen offenen Verstand kultivieren. (Einen Verstand, der begreift.)
  2. Ich werde über Belanglosigkeiten stehen. (Die Reibung ist in mir.)
  3. Ich werde mein Leben täglich mit Inhalt füllen. (Wir sehen nach einiger Zeit wie die Statuen aus, die wir formen.)
  4. Ich werde an meinem Ideal festhalten. (Das höchste Gut, das ich wahrnehmen kann.)
  5. Ich werde eifrig auf meiner höchsten natürlichen Ebene arbeiten. (Sehe, finde und setze neue Kraft frei.)
  6. Ich werde die Gewohnheit, zielgerichtet zu lesen, kultivieren. (Wachstum.)
  7. Ich werde die Kraft suchen und finden, kleine Missstimmigkeiten, Selbstlob, Selbstmitleid, oberflächliches Plaudern und gewohnte Vorstellungen zu überwinden. (Überwinde Selbstmitleid und die Welt gehört dir, mit ihrer ganzen Fülle.)
  8. Ich werde niemals das Vertrauen verlieren in die Person, die ich hätte sein können, noch meine Fähigkeit anzweifeln, diese Person zu werden. (Wir befinden uns in dem Prozess, das zu werden, was wir wollen.)
  9. Ich werde die Schönheit im Leben durch Verstehen und Anerkennen der Gesetze des Universums suchen. (Füttere täglich meine Seele.)
  10. Ich werde Schlichtheit kultivieren und mit Demut dienen. (Mich selbst im Dienst an den anderen vergessen.)

In diesen zehn Geboten bin ich auf den Begriff Selbstmitleid gestoßen — das erzeugt eine Resonanz in mir. Selbstmitleid ist eine natürliche Reaktion, aber kein Dauerzustand. Wenn wir darin verharren, bauen wir uns gedanklich eine unsichtbare Mauer. Diese Mauer hält uns davon ab, neue Wege zu erkunden, weil sie uns in einem festen, negativen Narrativ verankert.

Selbstmitleid ist wie ein Kissen aus Watte — bequem, bis du merkst, dass du darauf eingeschlafen bist und das nächste Ziel verpasst.

Wilhelm Schmid spricht in seinem Ansatz von „Selbstfreundschaft" — der Haltung, sich selbst mit derselben Wärme, Geduld und Wertschätzung zu begegnen, die man einem guten Freund entgegenbringen würde. Diese innere Freundlichkeit wirkt als Gegenmittel zum Selbstmitleid.

Hishiryō — das Denken jenseits des Denkens

Im Zazen gibt es diesen Begriff: Hishiryō — das Denken jenseits des Denkens. Nicht Nicht-Denken (das wäre nur die Abwesenheit von Gedanken), sondern eine andere Qualität von Bewusstsein.

In der craniosacralen Arbeit gibt es manchmal Momente, die sich so anfühlen. Die Hände liegen am Schädel, der Rhythmus wird spürbar — und dann verschiebt sich etwas. Das „Ich mache eine Behandlung" fällt weg. Es bleibt nur noch: Präsenz. Kontakt. Das, was gerade geschieht.

Vielleicht ist das, was wir „therapeutische Präsenz" nennen, genau das: Hishiryō. Ein Zustand, in dem wir nicht mehr über den Klienten nachdenken, sondern einfach mit ihm sind.

November 2025

Das Kind an der Brust

Ein Säugling, drei Wochen alt. Trinkt nicht richtig, die Mutter verzweifelt. Nach der ersten Behandlung — sanfte Arbeit am Schädel, Lösung der Kompression im Kieferbereich — trinkt das Kind zum ersten Mal entspannt.

Die Erleichterung in den Augen der Mutter. Das ist es, warum ich diese Arbeit mache.

Manchmal sind es nicht die großen Dinge. Manchmal reicht es, dass ein Kind trinken kann und eine Mutter wieder schlafen.

Jean Gebser und die Bewusstseinsstrukturen

Gerade wieder in Gebsers Ursprung und Gegenwart gelesen. Seine Theorie der Bewusstseinsstrukturen — er unterscheidet archaische, magische, mythische, mentale und integrale Strukturen — fasziniert mich seit Jahren.

Die Idee, dass verschiedene Bewusstseinsstrukturen nicht nacheinander kommen, sondern gleichzeitig in uns wirken — das passt zu dem, was ich in der Therapie erlebe. Manchmal braucht es das rationale Verstehen (mental), manchmal das Spüren und Fühlen (magisch), manchmal das narrative Einordnen (mythisch). Vielleicht ist ganzheitliche Therapie genau das: nicht eine Struktur über die andere zu stellen, sondern sie alle zur Verfügung zu haben.

Ältere Einträge

Die älteren Notizen sind im Archiv. Wenn Sie etwas Bestimmtes interessiert oder Sie Fragen zu einem Thema haben, schreiben Sie mir gerne.

Bernd Bosbach — Ganzheitliche Begleitung

Drei Wege, ein Ort.·Termine nach Vereinbarung.